Auftrieb an trüben Wintertagen

Lichtmangel oder Gänsehaut-Temperaturen machen vielen Menschen in Winter zu schaffen. Ein Rezept gegen Durchhänger sind feste Strukturen und motivierende Vorhaben.

Grob gesagt, lässt sich der Winter in zwei Phasen aufteilen: die vor Silvester, d.h. November/Dezember, und die danach, also Januar, Februar und März.Im Vorfeld der Feiertage spielen die Begleiterscheinungen für viele Menschen keine allzu große Rolle, die die kalte Jahreszeit mit sich bringt: Gänsehaut-Temperaturen und deutlich mehr dunkle als helle Stunden bis hin zum Verhältnis 2:1. Denn nach den langen Sommermonaten mit vielen Outdoor-Aktivitäten kann man einerseits das Drinnen-Sein mit Schmökern auf dem Sofa oder einem Essen mit netten Gästen und guten Gesprächen als Kontrastprogramm genießen.

Andererseits sorgen Termine wie die vier Adventssonntage oder diverse Weihnachtsfeiern immer wieder für Abwechslung; außerdem wollen die Geschenke für Familie und Freunde besorgt werden. Ist dieses Programm dann allerdings absolviert, sinkt ab Jahresanfang in vielen Fällen das Stimmungsbarometer. Gründe sind das mangelnde Tageslicht, das erwiesenermaßen als Muntermacher dient, und die unerfreuliche Gewissheit, dass es bis Frühlingsanfang noch wochenlang hin ist. Dass man bei diesen tristen Aussichten am liebsten das Bett gar nicht mehr verlassen und sich die Decke über den Kopf _dsf0996ziehen möchte, ist verständlich. Hin und wieder kann man dieser Verlockung am Wochenende auch nachgeben und nach Herzenslust faulenzen. Ansonsten aber sorgen eine feste Tagesstruktur und motivierende Vorhaben für Auftrieb, geben dem Leben einen Rahmen. Ein überschaubares Programm vor sich zu haben und Punkt für Punkt abzuhaken, gibt das gute Gefühl, die Dinge im Griff zu haben und nicht von widrigen Umständen runtergezogen zu werden. Spaziergängen an der frischen Luft tun sogar bei Nieselregen und Nebel gut; liegt dabei Schnee, reflektiert der das wohltuende Tages- und Sonnenlicht und verdoppelt dessen Energie. Zuhause helfen Tageslichtlampen, auf die notwendige Dosis an Vitamin D zu kommen, die die Produktion des Hirnbotenstoffs Serotonin ankurbelt und sowohl für bessere Denk-Leistungen als auch für gute Stimmung sorgt. Auch einen Gang in die Sauna oder ins Solarium sollte man sich als Sommer-Ersatz wie alles andere, was einem individuell gut tut, gelegentlich gönnen.

Wunder wirkt ein eingeschobener Kurzurlaub im Süden, der die Wartezeit auf wärmere Phasen verkürzt; andere schwören auf Wintersport wie Skifahren, Schneeschuh-Wandern oder Tourengehen – egal ob als kleine Flucht für einen Tag oder längere Ferien, die das Abschalten und Rauskommen aus dem Alltag erleichtern. Es muss aber nicht immer Action sein: Tieren und Pflanzen, die sich selbstverständlich dem Rhythmus der Jahreszeiten anpassen, dient der Winter als Ruhephase und zur Regeneration. Auch uns Menschen gibt er die Möglichkeit des Innehaltens, sich z.B. beim Blick ins Fotoalbum an die schönsten Momente des vergangenen Jahres zu erinnern und Pläne zu schmieden, welche aufbauenden Dinge man im kommenden ansteuern will. Tröstlicher Gedanke dabei sollte sein, dass die trüben Tage zuverlässig vorüber gehen. Schon im Januar spitzten erste Schneeglöckchen aus dem Boden. Dicht auf den Fersen folgten ihnen dottergelbe Winterlinge. Anschließend beginnen bunte Krokusse als unübersehbare Signale für den bald beginnenden Frühling zu leuchten.

Zwischenmenschliches – Michael Diaz

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